<img height="1" width="1" style="display:none" src="https://www.facebook.com/tr?id=424231064635974&amp;ev=PageView&amp;noscript=1">
 
12/03/2013,

Trends

House of Cards: die Zukunft des Fernsehens oder lediglich ein Kartenhaus?

Der Fernsehmarkt steht möglicherweise vor einem der größten Umbrüche seiner Geschichte, wenn nicht vor dem größten.

Der Grund? Netflix. Netflix wurde 1997 gegründet und erlangte als DVD- und BluRay Verleih Bekanntheit. 1999 nahm Netflix die Möglichkeit des Video-On-Demand ins Angebot, bei dem Kunden Filme oder Serien über das Internet schauen können. Heute hat Netflix weltweit etwa 50 Millionen Abonnenten und 27 Millionen Streaming-Kunden allein in den USA und ist damit eines der größten Video-On-Demand Anbieter auf dem Planeten. Da Netflix bisher nur Filme und Serien verliehen oder als Stream angeboten hat, war die Firma ein reines Content-Delivery-System; sprich, sie haben keine Stoffe selbst produziert. Nun hat Netflix den Schritt vom reinen Lieferanten zum Produzenten eigener Stoffe gewagt und damit für großes Aufsehen gesorgt.

Netflix überbietet seine größten Konkurrenten

kevin-spacey-house-of-cards-blog.jpg               Photo credit: Patrick Harbron for Netflix.

House of Cards heißt die Serie, für deren Rechte Netflix im Frühjahr 2011 knapp 100 Millionen Dollar ausgegeben hat und damit den großen Sendern HBO, AMC und Showtime weggeschnappt hat. House of Cards ist eine düstere Politikserie, die in Washington D.C. spielt. Im Zentrum der Geschichte steht der demokratische Kongressabgeordnete Francis, genannt Frank, Underwood. Als ihm der schon versprochene Posten des Außenministers vom neuen Präsidenten verwehrt wird, setzt er alle Hebel in Bewegung, um sich für diese Schmach zu rächen und selbst an die Spitze zu gelangen. Die Serie ist sowohl von Zuschauern als auch von Kritikern sehr positiv aufgenommen worden. Das liegt natürlich auch an der hervorragenden Besetzung, angeführt von Kevin Spacey, der in der Hauptrolle brilliert.

Netflix passt sich den Sehgewohnheiten seiner Kunden an

poster-house-of-cards-blog.jpg

Es gibt weitere Besonderheiten, die für den Erfolg eine entscheidende Rolle spielen. Die erste ist, dass die Serie exklusiv über Netflix zu sehen ist, sprich über das Internet. Es gibt keine TV-Ausstrahlung, zumindest nicht in Ländern, in denen Netflix zugänglich ist. Das bedingt und beeinflusst die weiteren Erfolgsfaktoren extrem: Denn die zweite, sehr ungewöhnliche Neuheit ist, dass alle Folgen der ersten Staffel auf einmal zur Verfügung stehen. Das heißt die Kunden können sich aussuchen, wann und vor allem wie viele Folgen sie schauen. Damit passt sich Netflix dem Sehverhalten der heutigen Serien-Zuschauer an. Die Tendenz geht nämlich immer mehr dazu, nicht nur eine Folge pro Woche zu schauen, sondern gleich zwei oder drei auf einmal. Das geht sonst nur, wenn man die DVD-Box hat, bloß dass man Monate warten muss, bis diese erscheint. Die dritte Besonderheit ist selbstredend mit den ersten beiden eng verbunden: Da Netflix der Serie den Druck genommen hat, gute Quoten zu erzielen, hat es den Machern die Chance gegeben, eine völlig neue Erzählstruktur zu entwickeln.

David Fincher, der als ausführender Produzent und als Regisseur der ersten Folgen fungiert, sagte unlängst, dass House of Cards wie ein 13 Stunden Film ist, anstatt 13 einstündiger Filme, wie bei gewöhnlichen Serien.

Die Konkurrenz schläft nicht

Auf die Frage, ob sie es Netflix in Zukunft gleich tun und ebenfalls ganze Staffeln auf einmal als Video-On-Demand Angebot zu veröffentlichen, haben HBO, AMC und Showtime noch keine Hinweise gegeben. Klar ist aber, dass die Entwicklung sehr genau beobachtet wird. Sie müssen allerdings erst mal keine Gewinneinbrüche befürchten. Es wird dauern, bis sich die aktuelle TV-Infrastruktur verändert und allein HBO hat weltweit 85 Millionen Abonnenten. Es wäre jedoch ungeschickt, wenn sich HBO und Co. nicht darauf einstellen, dass ihre Modelle (nämlich eine Folge pro Woche) möglicherweise keine Zukunft haben. Jetzt ist noch Zeit, sich nach Alternativen Ausstrahlungsmöglichkeiten umschauen.

Amazon folgt Netflix auf den Content-Creation Markt

Neben Netflix ist Amazon einer der größten Stream- und Video-On-Demand Anbieter und stellt mit Amazon Instant Movie (in den USA) und LOVEFilm (in Europa) den größten Konkurrenten für Netflix. Mit Amazon Game Studios hat Amazon im August 2012 den ersten Schritt zum Content-Creation-Anbieter gemacht. Bisher haben die Amazon Game Studios zwei Spiele auf den Markt gebracht: Ein Geschicklichkeitsspiel (Living Classics) und ein Strategiespiel (Air Patriots). Diese kann man über den Apple App Store, Google Play oder den Amazon Appstore kaufen. Nun will sich Amazon auch mit anderen Inhalten wie Film und Serien beschäftigen. Wann man mit einer Amazon Serie rechnen kann, steht allerdings noch in den Sternen.

In Deutschland läuft House of Cards auf dem Pay-TV Sender Sky Atlantic HD, allerdings nicht im gleichen Modell wie es Netflix zeigt (nämlich alle Folgen auf einmal zur Verfügung), sondern im „traditionellen“ eine-Folge-Pro-Woche Modus.

In unserem Blog geht es um Kommunikation im digitalen Zeitalter – insbesondere für mittelständische B2B-Unternehmen. Wir teilen außerdem unser Fachwissen und unsere Einschätzung zu Ereignissen, Trends und Zukunft. Die geäußerte Meinung entspricht der Haltung des Autors.

Beliebte Artikel